In dieser Episode "Steuerberatung innnovativ" spricht Ulf Hausmann mit Elisa Lutz, Steuerberaterin und Geschäftsführerin der Kanzlei awicontax, IT-Spezialistin und Innovationskraft in der Steuerbranche. Sie gehen der Frage nach, warum moderne Steuerberatung ohne IT-Kompetenz nicht mehr funktioniert – und was das konkret für Kanzleien, Mitarbeitende und die Mandantschaft bedeutet.
Elisa Lutz erzählt, wie sie von der klassischen Steuerberaterin zur digitalen Unternehmerin wurde, warum sie selbst Software entwickelt, und welche Tools und Denkweisen Kanzleien heute brauchen, um zukunftsfähig zu bleiben.
Steuerberatung im digitalen Zeitalter
Elisa Lutz beschreibt ihren beruflichen Werdegang als eine spannende Reise, bei der ihre Leidenschaft für beide Welten, Steuerberatung und IT, immer mehr miteinander verschmolzen ist. „Die Steuerberatung hat viele Parallelen zur Informatik, besonders im Hinblick auf die Systematik und das strukturierte Problemlösen. Man kann im Steuerrecht fast jedes Problem mit einer Lösung aus der Gesetzeslage finden. Genauso funktioniert es in der IT – hier geht es ebenfalls um das Lösen von Problemen durch Systeme“, erklärt sie. Für Lutz sind IT und Steuerberatung keine Gegensätze, sondern ergänzen sich.
In den letzten Jahren hat sich das berufliche Umfeld der Steuerberatung stark verändert. Lutz beobachtet, wie sich die Branche zunehmend digitalisiert und viele Prozesse effizienter und automatisierter gestaltet werden. „Die Digitalisierung ist nicht mehr nur ein Schlagwort, sie ist in vollem Gange. Kommunikation wird papierlos, Daten sind das neue Öl und der Einsatz von Software und Automatisierung nimmt zu“, so Lutz. Diese Veränderungen betreffen nicht nur die internen Arbeitsabläufe in der Kanzlei, sondern auch die Interaktionen mit der Mandantschaft. Die Art und Weise, wie Mandant:innen ihre Finanz- und Steuerdaten aufbereiten, hat sich bereits stark gewandelt. Wer als Steuerberater:in nicht mit dieser Entwicklung Schritt hält, wird langfristig ins Hintertreffen geraten.
IT-Kompetenz als Schlüssel zum Erfolg
Lutz ist überzeugt, dass Steuerberatende ohne IT-Know-how in den kommenden Jahren zunehmend irrelevant werden. „Ich behaupte, Steuerberater, die keine IT-Expertise aufbauen, werden in den nächsten zehn Jahren kaum noch eine Rolle spielen“, sagt sie und betont, dass dies nicht nur die technische Nutzung von Software umfasst, sondern auch das Verständnis für IT-Architekturen und die Fähigkeit, digitale Lösungen zu bewerten. Die Herausforderung für viele Steuerkanzleien liegt darin, den Übergang von der traditionellen, papierbasierten Arbeit hin zu einer datengetriebenen und digitalisierten Arbeitsweise zu meistern.
Die zunehmende Digitalisierung betrifft nicht nur die internen Prozesse, sondern auch die Zusammenarbeit mit Mandant:innen. Die Frage, wie Daten sicher ausgetauscht und Prozesse effizienter gestaltet werden können, steht immer häufiger im Mittelpunkt. Lutz stellt fest, dass sich Kanzleien zunehmend mit Schnittstellen und datengetriebenen Buchhaltungslösungen beschäftigen müssen, um die Effizienz zu steigern und Zeit zu sparen. „Die belegbasierte Buchführung gehört der Vergangenheit an. Die Buchführung ist heute datengetrieben. Wir müssen den Mandanten helfen, ihre Systeme so zu gestalten, dass sie uns relevante steuerliche Daten in einer für uns nutzbaren Form zur Verfügung stellen“, erklärt sie.
Praxisbeispiel: Mandantenbindung durch digitale Lösungen
Ein praxisnahes Beispiel aus ihrer Kanzlei zeigt, wie sich die Digitalisierung konkret auswirken kann. Lutz berichtet, dass sie ihren Mandant:innen eine digitale Lösung zur Buchhaltung angeboten hat, bei der alle Belege automatisch eingelesen und den entsprechenden Buchungskonten zugeordnet werden. Dies spart nicht nur Zeit, sondern erhöht auch die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Buchhaltungsprozesse.
„Früher haben wir hunderte von Belegen durchgesehen und verbucht, heute läuft ein Großteil der Arbeit durch eine Schnittstelle vollautomatisch. Wir müssen uns nicht mehr um jeden einzelnen Beleg kümmern, sondern können uns auf die steuerrechtliche Prüfung und Beratung konzentrieren.“
Die Rolle von KI und Automatisierung
Ein besonders heißes Thema ist die künstliche Intelligenz (KI). Lutz sieht die Entwicklungen in diesem Bereich als einen der größten Sprünge der letzten Jahre. Sie beschreibt, wie KI in der Steuerberatung bereits eingesetzt wird, etwa bei der Optimierung von Buchhaltungsprozessen oder der Unterstützung bei der Formulierung von Texten. Sie erklärt, dass KI-Tools wie ChatGPT für die Steuerberatung sehr hilfreich sein können, aber auch betont, dass sie nicht als Ersatz für fundierte, steuerrechtliche Recherche dienen können. Sie nennt als Beispiel spezifische Tools, die auf das Steuerrecht ausgerichtet sind, wie etwa von Otto Schmidt oder NWB.
Neben der Nutzung von Sprachmodellen für die Textgenerierung sind auch spezialisierte Softwarelösungen auf dem Markt, die den Arbeitsalltag in der Steuerberatung erleichtern. Dazu gehören etwa Tools zur Automatisierung von Buchhaltungsprozessen oder zur Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Mandantschaft. Lutz stellt fest, dass besonders für kleinere Kanzleien die Übersicht über die Vielzahl an verfügbaren Tools eine Herausforderung darstellt. „Es ist extrem schwierig, als kleine Kanzlei den Überblick über die stetig wachsende Anzahl an Lösungen zu behalten. Da braucht es Partner, die einem helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, so Lutz.
IT-Strategie in der Kanzlei
Lutz erklärt, dass ihre Kanzlei, in der sie tätig ist, zunehmend selbst Softwarelösungen entwickelt, um spezifische Bedürfnisse der Steuerberatung besser zu adressieren. Ein Beispiel ist die „DIVEDO“-Software, die ursprünglich als Verfahrensdokumentationstool konzipiert wurde und mittlerweile zu einem umfassenden Unternehmensberatungstool ausgebaut wurde. Damit können Kanzleien ihre Mandant:innen in der Prozessberatung und -betreuung effektiv begleiten. „Wir haben in diesem Projekt gesehen, dass es Lösungen gibt, die den Kanzleien einen echten Mehrwert bieten, weil sie genau auf die Bedürfnisse der Steuerberatung abgestimmt sind“, sagt Lutz.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Infrastruktur innerhalb von Kanzleien. Lutz betont, dass es in der Zukunft entscheidend sein wird, zu verstehen, welche IT-Strukturen für die Kanzlei sinnvoll sind – von der Entscheidung über die Nutzung von Cloud-Diensten bis hin zur Frage, ob ein eigenes Rechenzentrum erforderlich ist. Diese Entscheidungen müssen nicht nur mit Blick auf Kosten, sondern auch im Hinblick auf Datensicherheit und -schutz getroffen werden. Lutz hebt hervor, dass diese Themen nicht nur theoretisch relevant sind, sondern ganz konkrete Auswirkungen auf die tägliche Arbeit haben. „Die Auswahl des richtigen Anbieters für Cloud-Lösungen ist nicht nur eine Frage des Preises, sondern auch der Datensicherheit. Steuerberater müssen verstehen, welche Risiken sie eingehen, wenn sie sich für eine Lösung entscheiden.“
Die Bedeutung von IT-Kompetenz in der Ausbildung
In der Zukunft wird es entscheidend sein, dass Steuerberater:innen und ihre Mitarbeitenden die nötige IT-Kompetenz mitbringen. Lutz sieht hier einen klaren Bedarf an Aus- und Weiterbildung. In ihrer eigenen Kanzlei werden regelmäßig KI-Schulungen angeboten, um die Mitarbeitenden für die Zukunft fit zu machen. Auch externe Schulungen und Plattformen wie LinkedIn bieten eine wertvolle Möglichkeit, sich kontinuierlich weiterzubilden. „Es ist wichtig, dass wir die Grundlagen der IT-Kompetenz verstehen. Es geht nicht nur darum, Software zu bedienen, sondern auch um das kritische Hinterfragen der Lösungen, die wir einsetzen.“
„Ein guter Ansatz für die Weiterbildung ist, den Mitarbeitenden nicht nur die Theorie zu vermitteln, sondern sie aktiv in den digitalen Wandel einzubeziehen“, ergänzt sie. In ihrer Kanzlei hat man dies durch Praxisprojekte erreicht, bei denen Mitarbeitende die Implementierung neuer Softwarelösungen aktiv mitgestalten können. „Wenn die Mitarbeitenden selbst erleben, wie IT-Tools den Arbeitsalltag erleichtern können, entwickeln sie nicht nur ein besseres Verständnis, sondern auch eine größere Begeisterung für den Einsatz neuer Technologien.“
Fazit: Die Zukunft der Steuerberatung ist digital
Die Steuerberatung befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel. IT-Kompetenz wird zur Grundlage für den Erfolg der Kanzleien der Zukunft. Steuerberatende müssen nicht nur die richtigen Softwarelösungen auswählen und implementieren, sondern auch ein Verständnis für die zugrunde liegende Technologie entwickeln. Der Einsatz von KI und Automatisierung wird die Arbeit der Steuerberater:innen verändern und ihnen ermöglichen, sich stärker auf die beratende Funktion zu konzentrieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Kanzleien ihre IT-Kompetenz stetig weiterentwickeln und in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden investieren.
„Wir müssen uns heute damit beschäftigen, wie wir die Kanzlei der Zukunft gestalten. Wer diesen Schritt nicht geht, wird im Wettbewerb mit den innovativen Kanzleien von morgen nicht mithalten können“, so Lutz abschließend. Nur so wird es möglich sein, die Chancen der digitalen Transformation optimal zu nutzen und die Kanzlei fit für die Zukunft zu machen.
Der Podcast für Steuerberater:innen: Steuerberatung innovativ
Strategieberater Ulf Hausmann spricht mit Steuerprofis über zukunftsweisende Kanzleiführung. Erfahren Sie, welche Innovationen die Branche verändern und welche Strategien zum Erfolg führen.
Ulf Hausmann, MBA, ist geschäftsführender Gesellschafter der Kanzleipakt GmbH, einer Entwicklungsgemeinschaft mittelgroßer Steuerkanzleien, die als Inkubator für Automatisierung und KI in der Steuerberatung wirkt. Er begleitet Kanzleien bei der strategischen Neuausrichtung und unterstützt sie beim gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Kanzleiprozessen. Er ist Mitglied im KI-Ausschuss der Steuerberaterkammer Niedersachsen und Mitbegründer der Tax KI Community.
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