stellenanzeige steuerberatung

Von Susanne Pannenbäcker

Traditionell wird Personalgewinnung oft auf einen einfachen Deal reduziert: Ein Job gegen Gehalt. Diese Sichtweise ist aber zu eng und trifft den Punkt nicht mehr, gerade in der angespannten Arbeitswelt der Steuerbranche. Es geht bei der Jobsuche um viel mehr als nur ums Geldverdienen. Arbeit ist ein Teil unserer Identität, eine Antwort auf die Frage: „Wer bin ich?“

Sie erfüllt unsere grundlegenden Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Erfüllung, Kontrolle, Orientierung, Selbstwert, Entwicklung und Sicherheit – und ja, dazu gehört auch das Finanzielle.

Bei der Personalgewinnung, und ganz besonders bei der Formulierung Ihrer Stellenanzeigen, ist es wichtig, diese tiefergehende Bedeutung zu verstehen.

Fragen Sie sich: Was bieten Sie am Arbeitsmarkt an?

Ihre Stelle sollte mehr sein als nur eine Liste von Anforderungen und Gehalt. Sie sollte ein ganzes Wertesystem repräsentieren, das die Bewerberinnen und Bewerber als Menschen anspricht und ihnen Entwicklungschancen sowohl persönlich als auch beruflich bietet.

Stellenanzeigen sind deshalb viel mehr als nur ein Teil Ihres Recruiting-Prozesses. Sie sind das Schaufenster Ihrer Kanzlei im Wettbewerb um die besten Talente.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie mit gezielten Kniffen und effektiven Strategien Ihre Stellenanzeigen so gestalten, dass sie genau die richtigen Kandidaten anlocken.

1.  Emotionen in Stellenanzeigen gezielt ansprechen

Eine wirkungsvolle Stellenanzeige zeichnet sich nicht nur durch die bloße Auflistung von Anforderungen und Aufgaben aus, sondern durch ihre Fähigkeit, einen impulsiven „Das will ich!"-Moment beim Leser zu erzeugen. Es geht darum, eine Resonanz zu schaffen – eine emotionale Reaktion, die den Bewerber oder die Bewerberin unmittelbar anspricht und den Wunsch weckt, Teil Ihrer Kanzlei zu werden.

Es ist entscheidend, dass sich die Lesenden Ihrer Stellenanzeigen persönlich angesprochen fühlen. Stellen Sie sich vor, Sie sprechen direkt mit Ihrem idealen Kandidaten: Was möchte dieser hören? Was ist ihm oder ihr wichtig? Genau diese Punkte sollten Sie in Ihrer Anzeige hervorheben und durch echte Beispiele aus Ihrem Arbeitsalltag untermauern. So wird den Kandidaten sofort klar: „Das passt zu mir!“

Die Informationen in Ihrer Anzeige sollten auf den ersten Blick auffallen und leicht verständlich sein – verzichten Sie auf umständliche Textblöcke und setzen Sie stattdessen auf klare, prägnante Sätze. Auch das visuelle Konzept darf nicht zu kurz kommen: Ein einprägsamer Slogan oder ein auffälliges Bild können bewirken, dass Ihre Anzeige aus der Masse heraussticht.

2.  Ein Leitfaden für eine unwiderstehliche Stellenanzeige

Der Erfolg einer Stellenanzeige beginnt bei der Wahl des richtigen Jobtitels. Klar und präzise sollte er sein, denn er ist das Aushängeschild Ihrer Suche. Vermeiden Sie es, zu viele Berufsbezeichnungen zu kombinieren – gerade bei spezialisierten Rollen wie Steuerfachangestellte/Steuerfachwirte oder Bilanzbuchhaltern.

Ein eindeutiger Titel zieht die richtigen Talente an.

Erzählen Sie die Geschichte der Position. Ist es eine Neuschaffung, die frischen Wind in Ihre Kanzlei bringen soll, oder eine Nachbesetzung, die auf bewährten Pfaden weitergeht? Heben Sie besondere Aufgaben hervor, die diese Stelle unverwechselbar machen.

Die Lokalität Ihrer Kanzlei ist mehr als eine Adresse – sie ist ein Versprechen von Lebensqualität und Arbeitsumgebung. Im Zeitalter des mobilen Arbeitens ist es umso wichtiger, den genauen Arbeitsort zu spezifizieren.

Kommen Sie zum Kern der Sache: Was sind die Kernaufgaben der Rolle? Eine detaillierte Aufgabenbeschreibung vermittelt Klarheit und zeigt, dass Sie wissen, was Sie wollen.

Die Arbeitszeit ist mehr als eine Zahl – sie ist ein Ausdruck Ihrer Unternehmenskultur. Statt vage Begriffe wie 'Vollzeit' oder 'Teilzeit' zu verwenden, geben Sie die genauen Wochenstunden an. Das schafft Vertrauen und Transparenz.

Über Geld spricht man – aber bitte nicht ausschließlich. Gehaltsangabe in die Stellenanzeige? Von mir ein klares ja! Warum? Weil die Angabe des Gehalts ein entscheidender Faktor für Bewerberinnen und Bewerber sein kann. Sie stellt eine Form der Transparenz dar, die Steuerprofis nicht nur schätzen, sondern inzwischen auch erwarten.

Eine Gehaltsangabe gibt potenziellen Kandidaten eine klare Vorstellung davon, ob die angebotene Stelle ihren finanziellen Anforderungen und Erwartungen entspricht. Bedenken Sie bitte, dass die Entscheidung, einen Arbeitgeberwechsel zu wagen, häufig von der finanziellen Perspektive beeinflusst wird.

Was hat der Job außerdem noch zu bieten? Weiterbildungsmöglichkeiten, Karriereperspektiven oder flexible Arbeitszeiten? Bedenken Sie: Die Definition eines Benefits ist individuell. Ihre Bewerberinnen und Bewerber entscheiden, was für sie attraktiv ist.

3.  Der Bewerbungsprozess:

Beim Bewerbungsprozess zählt vor allem eins: Machen Sie es Bewerbern leicht! Ein einfacher Klick auf einen „Jetzt bewerben“-Button oder eine lockere Einladung zum Plausch bei einem Kaffee kann Wunder wirken. Schließlich will niemand einen Hindernislauf absolvieren, nur um seine Unterlagen einzureichen. Komplizierte Prozeduren? Die sind so was von gestern.

Mit einem unkomplizierten Bewerbungsweg zeigen Sie nicht nur, dass Sie moderne Wege gehen – Sie geben auch einen Vorgeschmack auf die Arbeitsweise in Ihrer Kanzlei. So sprechen Sie nicht nur Kandidatinnen und Kandidaten an, sondern vermitteln direkt ein Stück Ihrer Kanzleikultur.

4.  Stolpersteine in der Stellenanzeige

In der Welt der Stellenanzeigen ist es ein schmaler Grat zwischen einer einladenden Jobbeschreibung und einem Fauxpas, der potenzielle Bewerberinnen und Bewerber verschreckt oder gar rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Tonfall: Siezen oder Duzen?

Hier gilt es, den kulturellen Kontext Ihrer Kanzlei zu berücksichtigen. Eine hippe Start-up- Atmosphäre mag das „Du“ rechtfertigen, während in einer traditionellen Kanzlei das „Sie“ angebrachter ist.

Ein weiteres sensibles Thema ist die Ansprache der Geschlechter. Stellenanzeigen, die – ob beabsichtigt oder nicht – ausschließlich männliche Bewerber ansprechen oder Stereotype bedienen, sind nicht nur veraltet, sondern verstoßen potenziell gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Es geht nicht nur um die korrekte Verwendung von geschlechtsneutralen Bezeichnungen, sondern auch darum, eine inklusive Sprache zu wählen, die alle Talente willkommen heißt und sich an die Vielfalt der Arbeitswelt anpasst.

Zu einem echten Fettnäpfchen wird die Stellenanzeige, wenn sie, gewollt oder ungewollt, das AGG ignoriert. Das Gesetz fordert klare Richtlinien, um Diskriminierung aufgrund von Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Orientierung zu vermeiden. Ein Patzer hier kann nicht nur das Image Ihrer Kanzlei beschädigen, sondern auch zu rechtlichen Streitigkeiten führen.

5.  Geeignete Tools für die Erstellung Ihrer Anzeigen

Die Auswahl der richtigen Tools kann den Unterschied bei der Erstellung von Stellenanzeigen ausmachen. Zu den interessantesten gehören:

    • Bewerbermanagement-Systeme (ATS)
    • Stellenanzeigen-Generatoren
    • Keyword-Recherche-Tools
    • Design- und Formatierungstools
    • Textanalyse- Tools
    • KI-Textgeneratoren

Bewerbermanagement-Systeme (ATS) erleichtern den gesamten Bewerbungsprozess und können die Effizienz steigern. Stellenanzeigen-Generatoren und Keyword-Recherche-Tools helfen dabei, den Text der Anzeige zu optimieren und die Reichweite zu erhöhen. Zudem können Design- und Formatierungstools sowie Textanalyse- Tools dazu beitragen, professionelle und ansprechende Anzeigen zu erstellen. Nicht zuletzt die KI-Textgenerierungstechnologie machen die Erstellung Ihrer Anzeigen inzwischen relativ leicht. Es kann darüber hinaus natürlich auch hilfreich sein, Profis der Branche oder Mitarbeitende Ihrer Kanzlei um Hilfe und Feedback bei der Erstellung der Stellenanzeigen zu bitten.

Fazit: Ziehen Sie die Talente an, die zu Ihrer Kanzlei passen

Trotz mancher gegenteiliger Meinungen bin ich fest davon überzeugt, dass eine sorgfältig gestaltete Stellenanzeige ein Schlüsselelement im Recruiting für Steuerkanzleien ist. Es zahlt sich definitiv aus, hier im Vorhinein ein bisschen mehr Zeit und Mühe zu investieren, um die Anzeigen optimal zu gestalten und sie so zu einem echten Spiegelbild Ihrer Kanzleikultur zu machen. Eine Top-Anzeige muss nicht nur informativ und ansprechend sein, sondern auch rechtliche Aspekte wie das AGG beachten und für alle potenziellen Bewerberinnen und Bewerber inklusiv formuliert sein. Indem Sie diese Faktoren berücksichtigen, stellen Sie sicher, dass Ihre Anzeigen genau die Talente anlocken, die Sie suchen.

Bild: Adobe Stock/©mast3r

Susanne Pannenbäcker

Susanne Pannenbäcker, Leitung Recruiting bei der Jost AG, ist spezialisiert auf die besonderen Anforderungen der Personalberatung in Kanzleien. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft sowie des Personalmanagement widmet sie seit 13 Jahren ihre Expertise der Beratung von Kanzleien in allen Fragen rund um das Thema Personal.

jost-ag.com

Bild: Adobe Stock/©Vadym

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