Social Media Mitarbeitersuche

VonSandra Völzke

Der Fachkräftemangel macht sich gerade bei vielen Steuerkanzleien bemerkbar: Obwohl sie sich seit Längerem mit Nachdruck um die dringend benötigte Verstärkung bemühen, sind qualifizierte Mitarbeitende kaum noch zu finden. Auch der Einsatz von Headhuntern bringt mangels Angebot keine Entlastung und immer mehr Steuerberater:innen müssen Mandant:innen ablehnen, um mit der Bearbeitung bestehender Fälle nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Die Lösung lautet oftmals Social Media. Aber was ist der Vorteil der sozialen Medien im Unterschied zu anderen Methoden zur Mitarbeitersuche? „Viele Kanzleien sehen die naheliegende Lösung leider nicht, obwohl sie diese aus dem Alltag längst kennen: Mit Social Media lassen sich geeignete Bewerberinnen und Bewerber für freie Stellen gewinnen, auch wenn diese aktuell gar nicht auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sind“, erklärt Sandra Völzke.

Was das bedeutet, wie genau Steuerkanzleien qualifiziertes Personal mit digitalen Strategien von sich überzeugen und worauf Sie beim Social Recruiting unbedingt achten sollten, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Mit Social Media die richtigen Kandidat:innen ansprechen

Die Zeiten sind für Steuerberater:innen alles andere als einfach – schließlich hat sich der anhaltende Fachkräftemangel durch politische Entscheidungen wie der Energiekostenpauschale oder Detailfragen in der Rentenbesteuerung weiter verschärft. Das führt dazu, dass trotz erheblicher Nachfrage viele Kanzleien kaum noch neue Mandate annehmen können – ihnen fehlen schlicht genügend gut ausgebildete und zuverlässige Mitarbeitende, um die zusätzliche Arbeitsbelastung aufzufangen. Viele wenden sich in ihrer Not an Headhunter, die trotz hoher Gebühren nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse liefern können.

Dass herkömmliche Methoden der Personalgewinnung kaum noch Erfolge erzielen, liegt vor allem an den vollständig veränderten Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt: Gut ausgebildete Fachkräfte sind so begehrt, dass sie sich oftmals bereits in gut bezahlten Arbeitsverhältnissen befinden. Potenzielle Bewerber:innen sind daher gar nicht auf der Suche nach einer neuen Stelle und müssen von einem Wechsel des Arbeitgebers erst aktiv überzeugt werden. Hier bieten sich soziale Medien als optimale Lösung an: Denn auf Facebook, Instagram und Co. ist es möglich, diejenigen Bewerber:innen gezielt anzusprechen, die mit ihrer aktuellen Lage unzufrieden sind oder Optimierungspotenzial sehen und sich so für eine neue Stelle interessieren lassen.

Social Media statt Headhunter

Erfahrungsgemäß melden sich heute kaum noch geeignete Bewerber:innen auf eine klassische Stellenanzeige in Printmedien oder Jobportalen. Die Fachkräfte, die von Steuerkanzleien wirklich gesucht werden, sind mit ihrer täglichen Arbeit beschäftigt und lesen diese Zeitungsannoncen und Stellenanzeigen überhaupt nicht. Auch der Einsatz von Headhuntern bringt in diesen Zeiten wenig Erfolge: So finden manche Headhunter zwar neue Mitarbeitende, oft zeigt sich jedoch nach kurzer Zeit, dass die neue Fachkraft kaum eine Verstärkung für die Kanzlei bedeutet, weil sie nicht die erwartete Leistung liefern kann oder möchte. Für die Besetzung offener Stellen braucht es daher eine andere Herangehensweise: Statt das Budget für Stellenanzeigen oder Personalvermittler:innen zu vergeuden, sollten die Kanzleien über Social Media gezielt die Bewerber:innen ansprechen, die auch für einen längeren Zeitraum eine echte Verstärkung bedeuten.

Als Arbeitgeber eine echte Marke schaffen

Dazu sollten sich Steuerkanzleien zuerst fragen, ob mögliche Kandidat:innen ihr Unternehmen überhaupt kennen. Während Headhunter und Personalvermittler nur aktiv auf die Suche gehen, können sich die Kanzleien mit Social Media selbst unter den Fachkräften bekannt machen und so langfristig eine eigene Marke aufbauen. Denn soziale Netzwerke wie Facebook erlauben es, Fachkräfte ganz gezielt nach Interessen oder Region einzugrenzen – das ist schließlich deren Geschäftsmodell. Dies können sich die Steuerkanzleien zunutze machen, indem sie in einem ersten Schritt für Sichtbarkeit bei den potenziellen Kandidat:innen sorgen.

Zudem gilt es, die Fachkräfte für sich zu interessieren:

Was kann die Kanzlei besser als andere Arbeitgeber? Warum würde sich ein Wechsel für die Arbeitnehmer:innen lohnen?

Wer hier die eigenen Stärken herausstellt und sich somit von der Konkurrenz abhebt, kann im Wettbewerb um qualifiziertes Personal schnell die Oberhand gewinnen. Denn viele Fachkräfte sind bei genauerer Überlegung nicht vollständig zufrieden mit ihrer derzeitigen Anstellung, realisieren dies jedoch erst bei einem deutlich besseren Angebot. Bei der Nutzung von Facebook oder Instagram sind die Arbeitnehmer:innen in der Regel privat unterwegs und daher entspannt und aufnahmebereit – ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Social Recruiting.

Social Media als Vermittlungsmedium

Viele Fachkräfte sind insgeheim unglücklich mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber, da es trotz hoher Arbeitsbelastung oft an der nötigen Wertschätzung mangelt. Zudem kommt es in letzter Zeit häufiger zu Kanzlei-Übernahmen, bei denen langjährige Mitarbeitende anschließend unzufrieden mit der neuen Führung sind. In solchen Situationen ist es daher nicht ungewöhnlich, dass gerade besonders qualifiziertes Personal mit der neuen Situation nicht glücklich ist und die Bindung zum bisherigen Arbeitgeber schwindet.

Hier sind Anzeigen auf Social Media bestens geeignet, um die Kanzlei mit diesen Menschen in Kontakt zu bringen: Wer weiß, dass es eine bessere Option gibt, wird sich viel eher für einen Wechsel des Arbeitgebers interessieren.

Laut Studien verbringen Menschen 1,5 Stunden täglich auf Social Media

Mit einem einfachen „Wir suchen Dich!“ nebst einer sachlichen Stellenbeschreibung ist es hier jedoch nicht getan. Die Menschen sind in den sozialen Medien auf der Suche nach Unterhaltung und reagieren entsprechend auf emotionale und persönlich formulierte Ansprachen. Hier sollten Kanzleien daher eine Anrede wählen, die vor allem eine der Qualifikation angemessene Wertschätzung zum Ausdruck bringt. Zudem ist es gerade in der Beraterbranche wichtig, so früh wie möglich eine persönliche Beziehung herzustellen – dies erreichen die Kanzleien am besten durch gut ausgewählte Bilder ihrer Belegschaft am Arbeitsplatz. So stellen sie Vertrauen her und können nachhaltig eine eigene Marke aufbauen, die sie von dem bloßen Logo anderer Arbeitgeber unterscheidet.

Bewerbungen müssen heute über das Smartphone möglich sein

Schließlich sollten sich Kanzleien für eine erfolgreiche Mitarbeitergewinnung bewusst machen, dass sich die Zeiten gewandelt haben: War die Ansprache auf Social Media erfolgreich, darf daher im Anschluss auf keinen Fall eine klassische Bewerbung gefordert werden. Die potenziellen Kandidat:innen sind hier in ihrer Freizeit unterwegs und haben Anschreiben, Lebenslauf oder gar Motivationsschreiben nicht zur Hand – und überlegen es sich schnell anders. Besser ist es, stattdessen auf die übliche Bewerbung zu verzichten und das spontane Interesse der Bewerber:innen für sich zu nutzen. Dies gelingt, indem der Bewerbungsprozess auf Smartphone oder Tablet zugeschnitten ist: Wenn die Kandidatin oder der Kandidat hier mit wenigen Klicks die wesentlichen Angaben machen kann, ist ein erster Kontakt schnell hergestellt.

Fazit

Die Fachkräfte sind nicht verschwunden, sie sind nur alle bereits in einer Beschäftigung. Da es immer gute und schlechte Arbeitgeber gibt, sollten die Steuerkanzleien die günstige Möglichkeit auf Social Media nutzen, um direkt und respektvoll bei den Fachkräften für sich zu werben. Mit der Vermittlung von deutlicher Wertschätzung und einem vereinfachten Bewerbungsprozess können Kanzleien auch in der heutigen Zeit den Personalmangel überwinden und wieder mehr Fachkräfte gewinnen.

Sandra Völzke

Sandra Völzke und Nadine Völzke sind die Gründerinnen von Völzke Consulting. Gemeinsam mit ihrem Team haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen dabei zu unterstützen, mit digitalen Methoden qualifizierte Bewerber:innen zu finden und für sich zu gewinnen. Mithilfe der sozialen Medien helfen die Recruiting-Expertinnen ihren Kund:innen dabei, den wichtigen und dringenden Schritt in die Digitalisierung zu gehen und eine attraktive Arbeitgebermarke aufzubauen.

Bild: Adobe Stock/©bbk22

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