
Die Steuerberatung wird durch die Digitalisierung grundlegend verändert. Dies gilt besonders für den Bereich der Buchführung. Digitale Prozesse, elektronische Schnittstellen sowie technologiegetriebene Geschäftsmodelle transformieren die Tätigkeiten im Bereich der Steuerberatung.
Doch was können kleine Steuerberatungskanzleien tun, um ihre Mitarbeitenden zukunftsgerecht und zielgerichtet für den Wandel zu qualifizieren? Dieser Beitrag zeigt Ihnen praxisnahe Wege, wie Sie als Kanzleileitung Ihr Team fit für die digitale Buchführung machen. Sie erhalten Hinweise auf Weiterbildungsangebote, strategische Tipps und einen klaren Fahrplan.
Warum digitale Kompetenz Ihrer Kanzleimitarbeiter heute unverzichtbar ist
Der langjährig etablierte Pendelordner gehört der Vergangenheit an. Digitale Belegverarbeitung und automatisierte Buchungen werden zur Norm. Eine cloudbasierte Zusammenarbeit mit Mandantinnen und Mandanten ist eindeutig auf dem Vormarsch und eröffnet erhebliche Effizienzgewinne.
Doch Technik allein reicht nicht. Es ist wichtig, dass Ihre Mitarbeitenden die neuen Tools verstehen und sicher anwenden. Zudem müssen sie die betroffenen kanzleiinternen Prozesse selbstständig weiterentwickeln und bei Bedarf ausbauen können. Hierfür ist ein kontinuierlicher und zielgerichteter Wissensaufbau erforderlich. Nur so wird die Digitalisierung zum echten Mehrwert für Ihre Kanzlei.
Beispiele für Weiterbildungsangebote, die Ihre Mitarbeiter voranbringen
Der Fachassistent Digitalisierung und IT-Prozesse (FAIT)
Einen besonders strukturierten Weg zur Qualifizierung bietet die Vorbereitung auf die Prüfung zum Fachassistenten für Digitalisierung und IT-Prozesse (FAIT). Diese von den Steuerberaterkammern initiierte Weiterbildung richtet sich an IT-affine Steuerfachangestellte und vermittelt fundiertes Wissen in fünf zentralen Prüfungsgebieten:
- Abgaben- und verfahrensrechtliche Beurteilung digitaler Prozesse
- Automatisierung und digitale Arbeitsabläufe in der Kanzlei
- Digitale Zusammenarbeit mit Mandanten und Behörden
- IT-Sicherheit und Datenschutz
- Projektmanagement und Change-Management
Die FAIT-Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Sie eignet sich ideal für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich gezielt auf die Rolle als Digitalisierungsbeauftragte vorbereiten möchten.
Weitere Qualifizierungswege: Buchhaltroniker® und FiButroniker
Neben dem FAIT gibt es zwei weitere innovative Fortbildungsformate:
1. Buchhaltroniker® (dba – Deutsche Betriebswirtschaftliche Akademie)
Diese Weiterbildung richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Buchhaltung und Steuerberatung, die digitale Prozesse verstehen und anwenden möchten. Die Ausbildung kombiniert Online-Lernmodule mit Präsenzseminaren und behandelt u. a. die folgenden Themenbereiche:
- Technik (bspw. Belegformate, Vorsysteme und Schnittstellen)
- Prozesse und Organisation
- Recht (u.a. GoBD, Verfahrensdokumentation und Datenschutz)
- E-Commerce (Onlineshops, Marktplätze, etc.)
Der Lehrgang eignet sich hervorragend für Kanzleien, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell, praxisnah und herstellerunabhängig weiterbilden möchten.
2. Zertifizierter FiButroniker (IFU / ISM)
Der umfassende Kurs zeichnet sich durch seinen modularen Aufbau zu aktuellen Themen aus. Er basiert auf einer Kombination von Präsenz-, Live-Online- und Video OnDemand-Formaten. Die Ausbildung deckt auch aktuelle Themen wie KI, E-Rechnung, Cyber Security und Robotic Process Automation ab.
Es werden sowohl Grundlagen der digitalen Kanzlei als auch Angelegenheiten wie Schnittstellenmanagement und die Automatisierung der Lohn- und Finanzbuchhaltung behandelt. Wahlmodule ermöglichen den Teilnehmern eine individuelle Schwerpunktsetzung – z. B. auf Datenanalyse oder KI-gestützte Prozesse.
Qualifizierungsangebote von Softwareanbietern
Damit Ihre Mitarbeiter auch programmseitig fit werden, sollten Sie diese von den einschlägigen Softwareherstellern schulen lassen. Nachfolgend zwei Seminarreihen:
1. DATEV-Experte für digitale Finanzbuchführung (DATEV eG)
Hierbei handelt es sich um eine modular aufgebaute Qualifizierung, bei der teilweise zwischen Präsenz- und Online-Angeboten gewählt werden kann. Die Module, die innerhalb von 18 Monaten absolviert werden sollen, umfassen die folgenden Themenbereiche:
- Chancen der Digitalisierung im Rechnungswesen nutzen
- Effiziente Zusammenarbeit in der Buchführung
- Schnittstellen / DATEV-Datenservices Rechnungswesen im Rechnungswesen
- Unterjähriges Controlling mit DATEV
- DATEV Unternehmen online – Tipps und Tricks
2. lexofficer (Lexware Office)
Die Ausbildungsreihe dieses Herstellers basiert auf einer Kombination aus Webinaren, Selbststudium und abschließendem Workshop. Sie vermittelt Kenntnisse zur Softwarelösung Lexware Office in den Bereichen Buchhaltung und Lohn.
Daneben werden auch Möglichkeiten zur Datenübernahme in die Kanzleisoftware besprochen. Ein besonderer Fokus wird auf die Einführung der Software beim Mandanten gelegt.
Hervorzuheben ist das Konzept der lexofficer Ausbildungs-Paten, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch über die Ausbildungszeit hinaus als persönliche Ansprechpartner erhalten bleiben.
Interne Maßnahmen: Wissenstransfer und Change-Management
Neben externen Fortbildungen sollten Kanzleien auch auf interne Qualifizierungsmaßnahmen setzen:
- Kanzlei-Organisationsbeauftragte (KOB) benennen (s. u.),
- Regelmäßige Schulungen zu neuen Tools und Prozessen durchführen,
- Wissensdatenbanken / interne Foren für Erfahrungsaustausch und Qualitätsmanagement einführen,
- Feedbackrunden ins Leben rufen, um digitale Prozesse kontinuierlich zu verbessern.
Wichtig ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur geschult, sondern auch dauerhaft aktiv in den Veränderungsprozess eingebunden werden. Eine erprobte Möglichkeit besteht u. a. in der Benennung von sog. Kanzlei-Organisationsbeauftragten (KOB). Diese nehmen am KOB-Programm der DATEV eG teil und fungieren kanzleiintern als Multiplikatoren.
Unbedingt zu beachten ist hierbei: Mitarbeitende, die neue Technologien und Arbeitsweisen in der Kanzlei etablieren sollen, benötigen Freiräume. Eine derartige Arbeit macht man nicht „einfach so nebenher”. Dieser Aspekt ist von wesentlicher Bedeutung und muss der Kanzleileitung klar sein.
Achten Sie außerdem darauf, Ängste einzelner Mitarbeitenden aktiv abzubauen, die den neuen Prozessen skeptisch gegenüberstehen. Hierfür eignet sich eine motivierende Kommunikation der Vorteile der Digitalisierung und das gemeinsame Feiern von Erfolgserlebnissen.
Fazit: Weiterbildung ist der Schlüssel zur digitalen Kanzlei
Die Digitalisierung der Buchführung ist kein Selbstläufer – sie braucht qualifizierte Menschen. Mit gezielten Weiterbildungen wie dem FAIT, dem Buchhaltroniker® oder dem FiButroniker schaffen Sie die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit Ihrer Kanzlei. Kombiniert mit weiteren internen Maßnahmen und einer klaren Digitalstrategie wird Ihre Kanzlei nicht nur digital, sondern auch erfolgreich.
Für einen schnellen Überblick: To-do-Liste und Linktipps
To-do-Liste: So starten Sie die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter
- Bedarfsanalyse durchführen: Wer braucht welche Kompetenzen?
- FAIT-Fortbildung prüfen: Ideal für IT-affine Fachkräfte
- Buchhaltroniker® oder FiButroniker wählen: Je nach Schwerpunkt und Zielgruppe
- Seminare von Softwareanbietern buchen: Nach Bedarf und Ausrichtung der Kanzlei
- Interne Schulungen etablieren: Wissen teilen, gemeinsam Prozesse standardisieren
- Kanzlei-Organisationsbeauftragte: Verantwortung klar definieren, Freiräume schaffen
- Ängste abbauen und Erfolge sichtbar machen: Motivation durch Anerkennung stärken
- Zu guter Letzt: Am Ball bleiben. Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon.
Linktipps – Hier finden Sie vertiefende Informationen
Michael Repschläger ist als Diplom-Kaufmann (FH) und Fachassistent Digitalisierung und IT-Prozesse bei MENTEL Steuer- und Wirtschaftsberatung verantwortlich für die Themen Automatisierung, Digitalisierung und KI. Dabei befasst er sich schwerpunktmäßig mit den DATEV-Anwendungen, Lexware Office, sowie M 365 einschließlich Microsoft 365 Copilot. Zudem unterstützt er die Mandantinnen und Mandanten der Kanzlei in betriebswirtschaftlichen Fragestellungen, bei Verfahrensdokumentationen und im Bereich der Prozessoptimierung.
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