NotebookLM

Fortbildung ist in der Steuerberatung unverzichtbar. Neue Gesetze, neue Tools, neue Anforderungen – Stillstand ist keine Option. Doch Hand aufs Herz: Wie oft bleibt das Wissen aus Seminaren wirklich in der Kanzlei hängen?

Nicht aus Bequemlichkeit – sondern, weil der Transfer von neuem Wissen in den Arbeitsalltag richtig schwer ist. Und seien wir mal ehrlich: Ein mehrstündiges Präsenz-Seminar oder Webinar in 15 bis maximal 30 Minuten zusammenzufassen ist eine schier unbewältigbare Herkulesaufgabe. Da wird dann schnell mal aus „Ich muss das noch vorbereiten“ ein „Ach, ich mach‘s nächste Woche.“

Damit Wissen in den Köpfen hängen bleibt – statt an der Garderobe des Seminars

Genau hier hilft NotebookLM – ein KI-Tool von Google, das aus Pflicht wieder Freude macht.
Weil es Lernen, Strukturieren und Teilen so leicht werden lässt, dass Fortbildung und der Wissenstransfer nicht mehr Arbeit, sondern Inspiration ist.

Vom Frontalvortrag zur Wissensgemeinschaft

Klassische Fortbildung folgen meist demselben Muster: Eine Person weiß was, viele hören zu – und am Ende verschwindet das Wissen irgendwo zwischen Flipchart und To-do-Liste. Das ist schade, denn gerade in Kanzleien steckt in jedem Seminarbesuch ein echter Mehrwert – wenn das Wissen geteilt wird. Was es braucht, ist also Wissensweitergabe, nicht Wissenshortung bei denjenigen, die das Seminar besucht haben.

Doch genau dieser Transfer gelingt im Alltag selten. Viele Mitarbeitende fühlen sich unter Druck gesetzt, wenn sie die Inhalte anschließend vor dem Team präsentieren sollen. Der Gedanke an den eigenen Vortrag löst mehr Lampenfieber als Lernfreude aus.

Genau hier setzt NotebookLM an, das Lernen und Wissen teilen ganz einfach macht. Und das Beste daran: Die Gratis-Version ist absolut ausreichend, lediglich ein Google-Konto ist die Voraussetzung.

Doch bevor es losgeht, ist noch ein wichtiger Punkt zu beachten:

Vor dem Hochladen bitte fragen – Urheberrecht beachten!

Bevor Sie Seminarunterlagen, Skripte oder Handouts in NotebookLM hochladen, sollten Sie einen kurzen Moment innehalten – und prüfen, ob Sie das überhaupt dürfen. Denn auch wenn KI-Tools beim Lernen unterstützen, gelten weiterhin die guten alten Regeln des Urheberrechts.

Die Inhalte einer Fortbildung sind in der Regel geistiges Eigentum des Referenten bzw. der Referentin oder des Fortbildungsinstituts. Das bedeutet: Ohne Zustimmung dürfen sie nicht einfach in ein KI-Tool hochgeladen oder verarbeitet werden – selbst wenn es nur zur internen Nachbereitung gedacht ist.

Die gute Nachricht: Eine Zustimmung ist in den meisten Fällen leicht einzuholen. Viele Referentinnen und Referenten freuen sich sogar darüber, wenn ihr Material weitergedacht und für den Wissenstransfer in der Kanzlei genutzt wird. Wichtig ist nur, dass Sie vorher fragen.

Mein Tipp: Nutzen Sie ein freundliches, kurzes Anschreiben – zum Beispiel so:

Beispieltext für Ihre Anfrage:

Sehr geehrte/r [Name des Referenten],

vielen Dank für das informative Seminar zu [Thema]. Wir würden die Unterlagen gern intern in unserer Kanzlei nachbereiten und dafür das KI-Tool NotebookLM einsetzen. Das Tool analysiert die Inhalte, erstellt Zusammenfassungen und unterstützt uns so dabei, das Wissen für das gesamte Team nutzbar zu machen.

Selbstverständlich behandeln wir alle Inhalte vertraulich und nutzen sie ausschließlich intern. Wir bitten Sie um Ihre Zustimmung, die Seminarunterlagen zu diesem Zweck in NotebookLM hochzuladen.

Mit freundlichen Grüßen
[Name, Kanzlei]

Mit einer solchen Anfrage sind Sie auf der sicheren Seite – rechtlich wie menschlich.
Und Sie zeigen zugleich, dass moderne Weiterbildung und fairer Umgang mit geistigem Eigentum wunderbar zusammenpassen.

Schritt für Schritt: So setzen Sie NotebookLM für den Wissenstransfer ein

Beispiel Notebook zum Thema Einkommensteuerrecht

Quellen und Seminarunterlagen hochladen – die Basis legen

Sammeln Sie alles, was zur Fortbildung und diesem Thema gehört:

  • Skript/Handout (PDF),
  • eigene Notizen,
  • Export aus OneNote,
  • ergänzende Checklisten.

Laden Sie diese Dokumente als Quellen in ein neues Notebook.

NotebookLM analysiert die Dateien und erkennt zentrale Themen, Begriffe und Zusammenhänge automatisch. Das Ergebnis: eine saubere, durchsuchbare Wissensbasis, die später allen dient.

Praxis-Tipp: Wenn handschriftliche Notizen dabei sind, kurz scannen (z. B. mit der Handy-App) und als PDF hinzufügen – NotebookLM erkennt auch Handschriften.

2. Links & Videos ergänzen – Kontext macht klug

Viele Seminare verweisen auf Fachbeiträge, Blogposts oder YouTube-Videos. Diese können Sie direkt als externe Quellen hinzufügen. So entsteht ein kompletter Lernraum zu genau einem Thema – vom offiziellen Skript bis zur erklärenden Video-Passage. Fürs Team ist das Gold wert: Alle relevanten Materialien liegen an einem Ort vor.

Praxis-Tipp: Beschriften Sie jede Quelle mit einem sprechenden Titel („USt-Update 2025 – Teil 1 (Video)“, „Handout Kapitel 3 – E-Rechnung“). Das erleichtert das Durchsuchen der Quellen.

Der Clou: Nur Ihre Quellen – keine Halluzination

NotebookLM arbeitet ausschließlich mit den von Ihnen hochgeladenen Quellen. Das heißt: Antworten, Zusammenfassungen und Verweise stammen immer aus Ihrem Material – nicht aus dem offenen Web. Das bedeutet minimiertes Halluzinationsrisiko, klar nachvollziehbare Fundstellen und damit hohe Vertrauenswürdigkeit im Team.

3. Die Mindmap erstellen – Visueller Überblick statt Folienschlacht

Anstatt Präsentationsfolien zu erstellen, erzeugen Sie in NotebookLM eine Mindmap der Inhalte. Sie bekommen damit eine visuelle Gliederung: Hauptthemen, Unterpunkte, Querverbindungen – auf einen Blick. Diese Mindmap ist Ihre Agenda für die Teamsitzung:

  • Einstieg über die Hauptäste (z. B. „Neue Grenzwerte“, „Fristen“, „Praxisfolgen“)
  • pro Ast die wichtigsten 2–3 Punkte ansteuern
  • offene Fragen markieren, die im Team geklärt werden sollen

Die Devise: Klicken statt blättern. Von jedem Knoten der Mindmap springen Sie direkt zur relevanten Textstelle im hinterlegten Dokument. Kommt eine Nachfrage, öffnen Sie den Ast – und die Quelle liegt schon parat. Das macht die Nachbereitung stressfrei und dialogorientiert: weniger Monolog, mehr gemeinsames Durchdringen der Inhalte.

Beispiel Mindmap zum EStG

Hören, sehen, verstehen – mit Podcasts und Video-Zusammenfassungen

Nicht jede oder jeder kann bei der Teamsitzung dabei sein – und selbst wer dabei war, will die Inhalte manchmal später noch einmal in Ruhe durchgehen. Hier spielen die neuen Podcast- und Video-Funktionen von NotebookLM ihre ganze Stärke aus.

Aus den hochgeladenen Quellen erstellt das Tool auf Knopfdruck Audio- oder Video-Zusammenfassungen, die die wichtigsten Inhalte lebendig wiedergeben – ideal zum Vorbereiten, Nacharbeiten oder Nachhören unterwegs.

Beispiel: Video-Zusammenfassung von diesem Artikel als Quelle und dem Bearbeitungsprompt, Angelas Dackel Pablo als Figur zu verwenden 😉

In den letzten Monaten hat sich hier enorm viel getan:

  • Mehrsprachigkeit: Podcasts und Videos lassen sich inzwischen in 36 Sprachen übersetzen. So können auch Kolleginnen und Kollegen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, den Fortbildungsinhalten mühelos folgen.
  • Gezielte Lernabschnitte: Jede Quelle kann einzeln ausgewählt werden. So bezieht sich die Ausgabe nur auf eine bestimmte Datei oder Themenkombination – perfekt für abschnittsweises Lernen.
  • Nano Banana für Video-Stile: Bei den Video-Zusammenfassungen ist nun Nano Banana, die Bild-KI von Google Gemini integriert. Damit lässt sich der visuelle Stil anpassen – von sachlich-minimalistisch bis lebendig-animiert.

Für Mitarbeitende bedeutet das: Lernen wird flexibel, individuell und mehrsprachig. Für die Kanzlei heißt das: Wissen bleibt zugänglich – für alle, jederzeit und in jeder Form.

Und das war erst der Anfang

Die Weitergabe von Fortbildungswissen ist nur eine der vielen Möglichkeiten, wie NotebookLM in Kanzleien zum Einsatz kommen kann. Denn überall dort, wo Wissen strukturiert, geteilt oder gelernt wird, spielt das Tool seine Stärken aus.

  • Lernen für Auszubildende: Komplexe Themen lassen sich in Lernhäppchen zerlegen – mit der integrierten Quiz- und Karteikartenfunktion wird Wiederholen zum Spiel.
  • Weiterqualifikation im Team: Fachartikel, Leitfäden oder Webinare werden zu personalisierten Lernmodulen, die jeder im eigenen Tempo durcharbeiten kann.
  • KanzleiBuddy fürs Onboarding: Neue Mitarbeitende finden mit NotebookLM schneller ins Kanzleileben – vom „So buchen wir Reisekosten“ bis zur „Checkliste für die Umsatzsteuervoranmeldung“.
  • „How to …“-Anleitungen: Ob DATEV, ELSTER oder Zeiterfassung – Handbücher und YouTube-Videos werden zu interaktiven Wissensassistenten, die Schritt für Schritt durch Prozesse führen.

Damit wird NotebookLM zu weit mehr als einem Werkzeug für Fortbildungen. Es ist ein leiser, aber mächtiger Helfer für den Kanzleialltag – einer dieser echten Geheimtipps unter den KI-Tools, die man einmal ausprobiert und nie wieder missen möchte.

Fazit: Wissen mit NotebookLM effektiv und effizient strukturieren

Wissen ist und bleibt das wertvollste Kapital jeder Kanzlei. Mit NotebookLM bekommt es endlich die Struktur, die es verdient – lebendig, zugänglich und immer dort, wo es gebraucht wird.

Angela Hamatschek
Weitere Beiträge

Als Kanzleioptimistin, Positionierungs-Profi, Referentin und Autorin unterstützt Angela Hamatschek die Steuerberatungsbranche auf dem Weg in die digitale Zukunft. Sie ist seit über 20 Jahren als Beraterin unterwegs und begleitet mit ihrer Kollegin Cordula Schneider rund 100 Kanzleien bundesweit im delfi-net Steuerberater-Netzwerk bei der Kanzleientwicklung. Als Trendscout, Branchenkennerin und begeisterte Managementbuch-Leserin gibt sie ihr Wissen in Webinaren und Workshops bei den Kanzleioptimisten und im Podcast der Leseoptimistin weiter.

 

Bildquelle: Adobe Stock/©A2Z AI
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