
Wo sehen Steuerkanzleien derzeit den größten Verbesserungsbedarf in ihren Kanzleien? Wo stehen sie in puncto Digitalisierung? Und wie viele Kanzleien nutzen bereits KI-gestützte Tools? Wir haben nachgefragt, wo in deutschen Steuerkanzleien derzeit der Schuh drückt. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Umfrage finden Sie in diesem Beitrag.
Infos zur Umfrage: Befragungszeitraum: Mai 2025 bis Juni 2025
Die rund 155 Teilnehmer:innen der Umfrage aller Altersstufen arbeiten zu 44 Prozent in Einzelkanzleien. 36 Prozent der Teilnehmenden arbeiten in einer kleinen Kanzlei mit bis zu 5 Berufsträger:innen, der Rest der Teilnehmenden arbeitet in Kanzleien mit mehr als 5 Berufsträger:innen.
Wo sehen Steuerkanzleien aktuell den größten Verbesserungsbedarf?
Hier lag das Thema Automatisierung der Buchhaltung klar vorne (59 Prozent). Denn die dafür benötigten Technologien, Schnittstellen und Tools gibt es bereits – in der ein oder anderen Kanzlei muss vielleicht noch Überzeugungsarbeit in Bezug auf die digitale Buchführung gegenüber der Mandantschaft geleistet werden. Oder es fehlte bisher die Zeit, neue Prozesse und Tools auszuprobieren.
Auch beim „Dauerbrenner“ Fachkräftemangel sehen Steuerkanzleien weiterhin Optimierungsbedarf. Mit 41 Prozent landet dieses Thema knapp vor den beiden „Baustellen“ Weiterbildung der Mitarbeitenden in Bezug auf digitale Kompetenzen (40 Prozent) und Optimierung der Kanzleisoftware und IT-Systeme (ebenfalls 40 Prozent).

Arbeitsbelastung: Mehr als ein Drittel ist stark überlastet
Wer nicht nur analoge Prozesse digitalisieren, sondern die Grundlage für automatisierte Prozesse schaffen möchte, muss sich Zeit nehmen und strategisch bei der Auswahl von Schnittstellen und Software vorgehen. Gerade hier scheitern viele Kanzleien: Denn rund 40 Prozent der Befragten gaben an, in stark überlasteten Kanzleien zu arbeiten. Lediglich jeweils vier Prozent gaben an, noch nicht ausgelastet oder noch auf der Suche nach neuen Mandaten zu sein.
Stand der Digitalisierung: Wie schätzen Kanzleien sich selbst ein?
Im Rahmen der Umfrage haben wir die Befragten gebeten, den aktuellen Stand der Digitalisierung ihrer Kanzlei zu beschreiben. Rund zehn Prozent gaben kann, in einer volldigitalisierten Kanzlei mit vernetzten Prozessen und KI-Lösungen zu arbeiten (Stufe 5). Demgegenüber stehen 20 Prozent, die erst die Grundlagen gelegt haben, z. B. durch erste digitale Lösungen zur Belegerfassung (Stufe 2).
Die meisten Steuerkanzleien befinden sich „irgendwo in der Mitte“: 31 Prozent sind in der Digitalisierung der Kanzlei fortgeschritten und bilden viele Prozesse digital ab, z. B. das Dokumentenmanagement und die Buchhaltung (Stufe 3). Rund 33 Prozent arbeiten weitgehend digitalisiert – obwohl die meisten Prozesse digitalisiert und vernetzt ablaufen, gibt es in solchen Kanzleien noch punktuelle analoge Arbeitsschritte (Stufe 4).
Das Thema Digitalisierung und Automatisierung in der Kanzlei ist übrigens laut unserer Umfrage das relevanteste Thema bei der Suche nach Fortbildungen (66 Prozent).
KI: Wie vertraut sind Steuerkanzleien mit Chatbots und Co.?
Auch das Thema „KI in der Steuerberatung” ist für 51 Prozent der Steuerberaterinnen und Steuerberater, die sich nach Fortbildungen umschauen, relevant.
Doch wie sieht es mit der praktischen Nutzung von KI-Tools aus? 50 Prozent der Befragten gaben an, Tools wie ChatGPT gelegentlich zu nutzen. 21 Prozent nutzen solche Tools jedoch trotz der niedrigen Schwelle zur Nutzung nicht – rund 12 Prozent müssen noch von den Vorteilen überzeugt werden.
Aktuelle Herausforderungen: Bürokratie und Produktivität
Was beschäftigt Berufsträgerinnen und Berufsträger darüber hinaus? Als weitere Herausforderungen nannten die Befragten unter anderem die bürokratischen Anforderungen des Gesetzgebers und die Flut an Gesetzesänderungen, die zur Überlastung in Kanzleien ihren Anteil beiträgt.
Neben der Herausforderung, Bewerbungen auf offene Stellen zu erhalten, sind auch viele Befragte mit der Qualifikation und Leistungsbereitschaft ihrer Kolleginnen und Kollegen (nicht nur der Fachangestellten) unzufrieden.
Fazit: Zu überlastet für die Lösung der Überlastung?
Die Tax-Tech-Umfrage 2025 zeigt: Die notwendige und gewünschte Transformation, beispielsweise im Bereich der Automatisierung repetitiver Prozesse, wird zwar angestrebt, aber durch die hohe Arbeitsbelastung und den Fachkräftemangel auch massiv ausgebremst. Obwohl der Digitalisierungsgrad meist als mittelmäßig bis gut eingeschätzt wird, stehen viele Kanzleien in puncto Digitalisierung und Nutzung von KI-Helfern noch am Anfang. Es bleibt zu hoffen, dass insbesondere Entscheiderinnen und Entscheider durchdachte digitale Prozesse als Ausweg aus dieser Situation erkennen.





