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In Steuerkanzleien wird steuerliches Fachwissen kontinuierlich vertieft. Doch wie sieht es mit Themen wie Kanzleimanagement, Personalentwicklung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz aus? Die aktuelle TeleTax-Umfrage „Fortbildung in Steuerkanzleien 2025“ mit 500 Teilnehmenden aus ganz Deutschland hat diese Fragen untersucht. Im Interview steht Sonja Bruns, Geschäftsführerin der TeleTax GmbH, Rede und Antwort zu den wichtigsten Erkenntnissen und Trends.
Frau Bruns, welche Rolle spielen Zukunftsthemen in Steuerkanzleien, gerade bei der Auswahl von Fortbildungen?
Die Zahlen unserer aktuellen Umfrage zeigen: Klassische Fachthemen dominieren nach wie vor das Fortbildungsgeschehen. Zukunftsthemen wie Kanzleiführung, Personalentwicklung oder Künstliche Intelligenz werden deutlich seltener aktiv angegangen. Dabei sind es genau diese Bereiche, die über die Zukunftsfähigkeit von Kanzleien entscheiden. Wer nur „steuerlich fit“ ist, aber nicht auch in Führung, Digitalisierung und Teamkompetenz investiert, wird durch den strukturellen Wandel schnell an Grenzen stoßen.
Haben Sie im Rahmen Ihrer Umfrage Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen sowie zwischen Berufsträger:innen und Fachangestellten beobachtet, beispielsweise in Bezug auf das Interesse am Thema KI?
Durchaus. Gerade jüngere Kanzleimitarbeitende und Fachangestellte zeigen ein deutlich größeres Interesse an digitalen Themen und innovativen Lernformen. Künstliche Intelligenz wird hier nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstanden.
Bei älteren Berufsträger:innen sehen wir häufiger Zurückhaltung – oft aus Unsicherheit oder fehlender Erfahrung mit digitalen Tools.
Unsere Aufgabe ist es, durch praxisnahe, niedrigschwellige Fortbildungsangebote, die alle mitdenken, beide Gruppen mitzunehmen.
Das Durchschnittsalter der Steuerberater:innen in Deutschland liegt derzeit bei 53,6 Jahren. Halten Sie es für denkbar, dass gerade ältere Berufsträger:innen den Nutzen von Fortbildungen zur Kanzleiführung weniger erkennen, da sie bereits auf das Ende ihres Berufslebens zusteuern?
Diese Beobachtung machen wir in Gesprächen mit Kanzleien immer wieder – und sie ist menschlich sehr verständlich. Wer sich in der späten Phase seines Berufslebens befindet, wägt Investitionen naturgemäß anders ab. Fortbildung zur Kanzleiführung erscheint dann auf den ersten Blick vielleicht nicht mehr „lohnenswert“, weil man denkt: „Das zahlt sich für mich nicht mehr aus.“ Doch diese Haltung ist riskant.
Auch wer sich in den nächsten Jahren zurückzieht, hat enormen Einfluss auf die Zukunft der Kanzlei. Eine professionell geführte Kanzlei, in der Arbeitsprozesse klar definiert sind, Personalstrukturen funktionieren und Mandatsverhältnisse systematisch gepflegt werden, hat ideell wie auch wirtschaftlich einen deutlich höheren Wert. Es geht also nicht allein um die operative Führung, sondern auch um die strategische Vorbereitung auf das, was kommt.
Außerdem beobachten wir, dass Kanzleien, die rechtzeitig in Führungskompetenz investieren, erfolgreicher in der Gewinnung und Bindung jüngerer Generationen sind.
Sie erwartet moderne Strukturen, transparente Kommunikation und Entwicklungsperspektiven. Dabei handelt es sich nicht um Zufallsprodukte all das muss gestaltet werden.
Kurz gesagt: Fortbildung zur Kanzleiführung ist kein „Nice-to-have“ für junge Kanzleiinhaber:innen, sondern ein zentrales Steuerungsinstrument, vor allem auch für erfahrene Berufsträger:innen. Sie trägt aktiv dazu bei, den eigenen Übergang sinnvoll zu gestalten und das Lebenswerk zukunftsfähig zu machen. Denn es gilt, über die eigene aktive Zeit hinaus in die aktive Gestaltung zu investieren. Wir erleben, dass viele Teilnehmende diesen Aspekt sehr reflektiert angehen.
Viele Kanzleien sind so überlastet, dass sie überwiegend im operativen Geschäft tätig sind und „in“ statt „an“ der Kanzlei arbeiten. Was ist Ihr Tipp für Kanzleien, die aufgrund von Überlastung den Nutzen strategischer Fortbildungsthemen noch nicht erkennen?
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: In über 60 Prozent der Kanzleien gibt es kein fest definiertes Fortbildungsbudget pro Mitarbeitendem.
Das bedeutet, dass Fortbildung ohne klare Zielsetzung oder langfristige Strategie häufig ad hoc stattfindet. Genau hier liegt eine große, oft ungenutzte Chance.
Strukturiert geplante Fortbildung ermöglicht nicht nur die gezielte Entwicklung von Kompetenzen, sondern schafft auch Transparenz und Verbindlichkeit innerhalb der Teams. Wissen die Mitarbeitenden, worauf sie hinarbeiten und wie sie sich einbringen können, steigen die Motivation sowie die Wirkung der Maßnahme.
Bei TeleTax unterstützen wir Kanzleien dabei, Fortbildung nicht als Einzelmaßnahme, sondern als kontinuierlichen Entwicklungsprozess zu begreifen. Mit modularen Lernpfaden, flexiblen Formaten und klaren Kompetenzzielen entsteht so eine Fortbildungsstrategie, die nicht nur praxisnah, sondern auch zukunftsgerichtet ist. Unter diesen Voraussetzungen wird Fortbildung nicht zur zusätzlichen Belastung, sondern zum produktiven Bestandteil des Kanzleialltags.
Sonja Bruns ist Geschäftsführerin der TeleTax GmbH und hat über 20 Jahren Erfahrung in der Aus- und Fortbildung. Sie hat früh die Potenziale von Online-Lernformaten erkannt und erfolgreich implementiert. Ihre Expertise reicht von der Standardisierung von Bildungskonzepten über internationale Bildungsprojekte bis hin zur Unternehmensoptimierung. Mit ihrer tiefgehenden Branchenkenntnis gestaltet sie die digitale Bildungslandschaft aktiv mit und setzt auf praxisnahe, flexible Lernlösungen, die auf die Bedürfnisse von Steuerkanzleien und Unternehmen zugeschnitten sind.
- Sonja Brunshttps://tax-tech.de/autor/sonja-bruns/
- Sonja Brunshttps://tax-tech.de/autor/sonja-bruns/28. Januar 2026






