
Welche Themen beschäftigen Steuerkanzleien derzeit? Wie lassen sich Herausforderungen wie die Digitalisierung und der Fachkräftemangel erfolgreich bewältigen? Um genau diese Fragen zu beantworten, fand bereits zum siebten Mal der bfd STEUER-KONVENT statt. Ein großer Vorteil der Veranstaltung: Alle Vorträge finden online statt und können größtenteils auch nach dem Veranstaltungstag noch angesehen werden. Das erlaubt große Flexibilität im stressigen Kanzleialltag. Dieses Jahr stand ein bunter Strauß verschiedener Themen auf dem Programm: von der E-Rechnung über KI und Digitalisierung bis hin zum Recruiting. Die spannendsten Erkenntnisse haben wir in unserem Veranstaltungsbericht für Sie zusammengefasst.
1. E-Rechnung und Verfahrensdokumentation müssen Hand in Hand gehen
In ihrem Vortrag zum Thema „E-Rechnung in Kombination mit der Verfahrensdokumentation” wiesen StB Peter Hoffarth und Marcus Römer, Geschäftsführer bei smartdocu, darauf hin, dass beide Aspekte im besten Fall Hand in Hand gehen sollten. Im Falle einer Betriebsprüfung wirkt sich die Vorlage einer Verfahrensdokumentation vertrauensbildend aus und führt zu einer deutlichen Verkürzung der Prüfung.
Smartdocu ist eine von mehreren digitalen Lösungen, die die Umsetzung der Dokumentation vereinfachen, und liefert Mandant:innen darüber hinaus Hinweise und Hilfestellungen zur E-Rechnung und deren Dokumentation.

Ein Geschäftsmodell in diesem Bereich könne sein, die Verfahrensdokumentation mit Honorarvereinbarung als eigenes Produkt zu verkaufen.

2. Recruiting: Mit Virtual Reality gegen den Fachkräftemangel?
In ihrem Vortrag zum Thema Recruiting plädierten die Referenten Jörg de Wall und Christoph Näpelt für eine stärkere Emotionalisierung bei der Mitarbeitergewinnung. Die beiden unterstützen Unternehmen dabei, durch die Gestaltung von Virtual-Reality-Räumen berufliche Orientierung erlebbar zu machen.
Eigentlich, so sollte man meinen, bietet die Steuerberatung viele attraktive Gesichtspunkte: Chef oder Chefin werden ohne Studium oder Abitur, abwechslungsreiche Betätigungen und Mandantenkontakt, ein dynamisches Umfeld – doch die Wirklichkeit sieht derzeit anders aus: So sei die Steuerberatungsbranche eine Branche, in der 74 Prozent der befragten Unternehmen sagen, dass ihre Geschäftstätigkeit durch den Fachkräftemangel gebremst wird. Eine Vielzahl der Maßnahmen, die dagegen ankämpfen sollen, wirken dabei nicht ausreichend.
Vonseiten der Arbeitnehmenden belegen Studien, dass etwa 40 Prozent die Steuerberatungsbranche als langweilig empfinden – und das transportiere Gefühle. Auch auf Seiten der Ausbildung in Steuerkanzleien sehen die Zahlen nicht gut aus: Die Zahl der Ausbildungsplätze überstieg die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber zuletzt deutlich (um 87.000) – und weniger als 20 Prozent der Steuerkanzleien bilden eigene Mitarbeitende aus.
Um dem entgegenzusteuern, möchten Jörg de Wall und sein Team durch die Gestaltung von Virtual Reality Räumen jungen Menschen ein authentisches Bild vom Berufsalltag und -Umfeld vermitteln. Das Unternehmen arbeitet vor allem mit Verbänden und KMUs.

Viele junge Menschen seien nach dem Besuch des VR-Raums interessierter, mit potenziellen arbeitgebenden Unternehmen in Kontakt zu treten. Diese Lösungen können übrigens auch tageweise, z. B. im Rahmen von Karrieremessen, gebucht werden.
3. Zauberwort Mitarbeiterbindung: Wie Sie verhindern, dass Mitarbeitende Ihre Kanzlei verlassen
Das Thema Recruiting war auch Thema des Vortrags von Kanzleiberater Zach Davis. In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Mitarbeiterbindung entscheidender denn je. Denn neue Mitarbeitende zu finden kostet nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit und Nerven. Davis zeigte in seinem Vortrag sechs zentrale Faktoren auf, die zur Kündigung von Mitarbeitenden führen können und gab Tipps, wie Kanzleien ihnen vorbeugen:
- Individuelle Unzufriedenheit: Hier ist es besonders wichtig, mit den Mitarbeitenden zu sprechen, Ihnen gut zuzuhören und gemeinsam eine Lösung zu finden.
- Überlastung: Ursachen erkennen und angehen – z. B. durch Neueinstellungen, Mandatsverzicht oder Produktivitätssteigerung mithilfe von Digitalisierung. Es hilft Mitarbeitenden auch, wenn sie das „Licht am Ende des Tunnels“ sehen, also wenn z. B. eine Entlastung durch Neueinstellungen in Sicht ist.
- Fehlende Orientierung: Veränderungen gut begleiten und mit Feedback für Klarheit sorgen.
- Mitarbeitenden differenzierte Wertschätzung zeigen: Sie kann viele Formen haben – vom Gespräch über kleine Gesten bis zur Unterstützung im Alltag.
- Schlechte Stimmung: Hier kann es sich z. B. lohnen, eine anonymisierte Umfrage durchzuführen, um herauszufinden, wo die Probleme liegen. Wichtig ist es, dass die Fragen zielführend sind und der Fragebogen nicht zu lang.
- Fehlende Entwicklung: Wer sich nicht weiterentwickeln kann, verliert die Motivation – individuelle Entwicklungsziele helfen. So kann z. B. eine Liste erstellt werden.

4. KI im Steuerrecht: Chancen, Risiken und der Ruf nach kritischer Prüfung
Prof. Dr. Rainer Bräutigam, Professor für Steuerlehre, beleuchtete das Thema „Künstliche Intelligenz in der steuerfachlichen Arbeit”. Die Kombination von steuerrechtlicher Fachliteratur und Sprachmodellen macht dieses Thema umso interessanter. Immer mehr Verlage bringen ihre eigene Lösung auf den Markt.

Das Problem bei der derzeitigen Nutzung von KI-Sprachmodellen wie ChatGPT sei, dass die Nutzenden den Ergebnissen übermäßig vertrauen. Auch die Ideenfindung werde durch KI homogener. Bräutigam sprach in diesem Zusammenhang über „kognitives Offloading“ vom Menschen Richtung KI.
Eine Überprüfung der Ergebnisse sei natürlich immer erforderlich. Sein Tipp: Lassen Sie sich die zu überprüfenden Sätze vom Sprachmodell selbst ausgeben. Zudem sei es unerlässlich, ein Gesetz selbst verstanden zu haben, bevor man es mittels KI bearbeitet.

Fazit: Impulse für die Kanzlei von morgen
Der diesjährige bfd STEUER KONVENT hat erneut gezeigt, wie vielfältig und praxisnah digitale Lösungen für Steuerkanzleien sein können, ob bei der Umsetzung der E-Rechnung, beim Einsatz von KI oder im Recruiting. Besonders positiv fiel die gute Moderation sowie die durchdachte Themenauswahl auf: Die Vorträge waren nicht nur inhaltlich stark, sondern auch auf die drängendsten Herausforderungen im Kanzleialltag zugeschnitten.
Ergänzt wurde das Programm durch themenspezifische Räume, in denen sich Teilnehmende gezielt über Anbieter und Tools informieren konnten. Der bfd-Steuerkonvent war ein echter Mehrwert für alle, die ihre Kanzlei zukunftssicher aufstellen wollen.



