Nachfolgeregelung

Nur jede zehnte Kanzlei verfügt über ein konkretes Konzept zur Regelung des Generationenwechsels. Das ergab eine aktuelle Studie der Jost AG in Zusammenarbeit mit dem Institut für Freie Berufe in Nürnberg. Die Mehrheit der Berater schiebt das Thema auf die lange Bank.

Dass in Deutschland in vielen Branchen ein Nachfolgeproblem besteht, ist lange bekannt. Besonders schwierig ist dies in der Steuerberatung. Denn im Gegensatz zum allgemeinen Mittelstand bedarf es hier der beruflichen Qualifikation, um eine Kanzlei zu übernehmen – was den Kreis der potenziellen Nachfolger einschränkt. Der Mangel an möglichen Juniorchefs und auch der Glaube daran, noch genügend Zeit zu haben, sorgt dafür, dass die Nachfolge ein heikles Thema innerhalb der Branche ist. Allerdings wird die Zeit knapp.

Laut einer aktuellen Studie der Jost AG hat erst ein Drittel der Kanzleichefs Anstrengungen unternommen, die die eigene Nachfolge regeln sollen. Die Älteren sind häufig bereits aktiv geworden, die jüngeren Berater allerdings in einem unterwartet geringem Maße. Auch bei den über 64-jährigen Steuerberatern haben erst knapp 60 Prozent etwas unternommen. Das ist insofern problematisch, da der Beruf ohnehin bereits überaltert und ein knappes Drittel seiner Angehörigen bereits über 60 Jahre alt ist. Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 52,7 Jahren. In vielen Kanzleien kommt ein Investitionsstau hinzu, der sich insbesondere auf die technologische Ausstattung auswirkt.

Investitionen werden aufgeschoben

Was Branchenkenner seit Langem beobachten, spiegelt sich auch in der aktuellen Befragung wider, an der sich rund 700 Kanzleien beteiligt haben: Die Beraterlandschaft ist so heterogen organisiert wie noch nie zuvor und in Puncto Nachfolge höchst unterschiedlich stark engagiert. Einige Berater befinden sich noch am Anfang des Nachfolgeprozesses, besuchen zunächst einmal Seminare, holen Informationen ein, führen erste Gespräche mit Vermittlungsagenturen oder im Kollegenkreis und andere haben bereits Anzeigen geschaltet oder mit Bewerbern gesprochen.

Fakt ist: Endgültig und umfassend geregelt ist der Generationenwechsel erst in 9,6 Prozent der befragten Kanzleien. Bei den unter 45-jährigen Kanzleichefs haben bereits 2,3 Prozent einen Nachfolger gefunden, bei den über 64-Jährigen sind das 25,3 Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass in drei Viertel derjenigen Kanzleien, deren Chefs bereits das gesetzliche Rentenalter erreicht haben, noch keine Regelung für die unmittelbare Zukunft in Sicht ist – mit den entsprechenden Konsequenzen für Innovationskraft und damit letztlich den Kanzleiwert.

Werte könnten sinken

Denn wie auf den anderen freien Märkten gilt auch für Kanzleien: Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis. Dessen sind sich auch die Berater selbst äußerst bewusst. Aus der Frage nach dem aktuell durchschnittlich angenommenen Wert der Kanzleien ergibt sich ein Umsatzfaktor von 101 Prozent. Die Experten der Jost AG bewerten diese Einschätzung realistisch gemessen an der derzeitigen Marktlage.

Die Zukunft könnte anders aussehen: Etwa nur die Hälfte der Berater (48,7 Prozent) rechnet damit, dass die Werte stabil bleiben, 40 Prozent dagegen befürchten, dass die Werte fallen werden. Umgekehrt glauben auch gut zehn Prozent der Teilnehmer, dass Kanzleien künftig an Wert gewinnen. Die Kanzleivermittler gehen eher von einem sich weiter divergierenden Bild aus – in exzellent ausgestattete und geführte Kanzleien mit steigender Werthaltigkeit und einem Segment von Kanzleien, die mit Preisabschlägen rechnen.

Für die überwiegende Mehrheit der befragten Berater (92,4 Prozent) stellt der Erlös eines etwaigen Kanzleiverkaufs nur einen Teil der Altersvorsorge dar. Vielmehr können sie auch auf Bezüge aus Versorgungswerken oder privater Vorsorge zurückgreifen.

Foto: Adobe Stock/jeremias münch
Alexander Jost

Alexander Jost

Alexander Jost ist Vorstand der mittelfränkischen Jost AG. Seit über 15 Jahren berät und begleitet der Kanzleiexperte Steuerberater vor, während und nach der Verkaufsphase. Außerdem ist er Autor des Buches „Notfallplanung für Steuerberater“ und diverser Fachartikel zum Thema. Als Referent informiert er sowohl in seinen Seminaren als auch in Kooperationen mit Kammern und Verbänden über Nachfolge und Kauf.

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