Tax Tech Conference 2019

Die Tax Tech Conference 2019 in Frankfurt war am 02. und 03. Dezember der Ort für Steuerberaterinnen bzw. Steuerberater und Steuerabteilungen, um sich über die Vielfalt der Digitalisierung zu informieren. Die Bandbreite der Vorträge reichte von ERP-Systemen über Tax Compliance Management bis hin zu Blockchain und Künstlicher Intelligenz (KI).

Was steckt hinter dem Begriff Tax Tech?

Zu Beginn des zweiten Tages beleuchtete Christian Baudis als Digital-Unternehmer die generellen Entwicklungen in Sachen Digitalisierung: Einen Unfall per App aufnehmen wie es die Allianz bereits anbietet, Bilderkennung zur Identifizierung von Hautkrebs oder selbstfahrende Autos.

Als die fünf Megatrends identifizierte er die folgenden Technologien:

  1. Sensorik
  2. Big Data & KI
  3. eHealth
  4. Cyber Security

Zum Berufsbild des Steuerberaters stellte er folgendes Zukunftsszenario in den Raum: „nur exzellente Beratung wird überleben, der Rest wird automatisiert.“

Christian Baudis Tax Tech Conference
Christian Baudis über wandelnde Wirtschaft und Geschäftsmodelle, Technologie und Fortschritt

Sophia Weber von Thomson Reuters stellte zunächst einmal die generelle Frage, was Tech Technology überhaupt sei. Ihre Definition: Technologie, die mit Steuerregeln gefüllt ist. Dabei rückte sie auch die Treiber hinter der Digitalisierung in den Blick. Laut Weber führen die folgenden Punkte zur Digitalisierung:

  • Technischer Fortschritt
  • Anforderungen der Finanzverwaltungen (Prozesse werden digitalisiert)
  • Wunsch nach Effizienzsteigerungen
  • Mangel an Fachleuten

Automatische Rechnungsprüfung

Nach den theoretischen Ausflügen in die digitale Steuerwelt, widmete man sich in den Workshops der Konferenz dem Thema Tax Technology dann deutlich praxisorientierter.

Hypatos Tax Tech Conference
Stephanie Alzuhn von Deloitte und Dr. Ulrich Erxleben von Hypatos

Im Workshop „More Data Less Work“ präsentierten Stephanie Alzuhn von Deloitte und Dr. Ulrich Erxleben von Hypatos am Beispiel der Rechnungsprüfung, wie Software durch Deep Learning-Technologie dafür sorgen kann, dass die Fehlerquote bei der Rechnungsstellung sinkt und die Zeit, die für die Prüfung aufgewendet werden muss, deutlich reduziert wird.

Mit der präsentierten Software werden bei Deloitte halbstrukturierte Daten (Rechnungen, Lieferscheine etc.) automatisiert auf fehlende bzw. falsche Elemente überprüft. Damit erfolgt die Prüfung der Rechnungen nach Umsatzsteuergesetz § 14 Abs. 4 automatisch. Das heißt, der Mensch muss nicht mehr wie bisher eine enorme Menge an Zeit investieren, um die monotone Aufgabe der Prüfung von tausenden von Rechnungen zu übernehmen. Vielmehr prüft die Maschine die Daten in kürzester Zeit und das logischerweise ganz ohne Ermüdungserscheinungen. Dabei übernimmt die Software derzeit etwa 80 % der Prüfung. Die restlichen 20 % umfassen Dokumente, die die Maschine nicht eindeutig als korrekt identifizieren kann und die sich der jeweilige Verantwortliche noch einmal einzeln anschauen muss.

Das System kann nahtlos in den eigenen Workflow integriert werden. Die Überprüfung läuft dann ohne ein separates Anstoßen im Hintergrund. Zusätzlich ist es auch möglich, alte Rechnungen nachträglich gesammelt zu überprüfen.

Prozessmotor Blockchain: Ist Vertrauen digitalisierbar?

Silke Wolf und Boris Lingl von DATEV beleuchteten ihrerseits die Trend-Technologie Blockchain. Dabei handelt es sich um eine Datenbanktechnologie, bei der digitale Blöcke zur Speicherung von Daten aneinandergereiht sind und dabei jeder Block auf den vorausgehenden verweist („Blockkette“). Auf der Blockchain sollen sensible Daten sicher und unveränderbar abgelegt werden können, womit sich die Frage stellt, ob auch Vertrauen digitalisierbar ist. So könnte beispielsweise das Notariat durch die sichere Ablage von Dokumenten in der Blockchain ersetzt werden.

Die DATEV eG möchte die Blockchain nutzen, um Transaktionen sicher in der Blockchain abzubilden. Zum Beispiel bei der Abrechnung oder bei Verträgen (Smart Contracts). Ziel des Ganzen ist es, die Daten und Prozesse volldigital und ohne Medienbruch abzubilden. Als Beispiel wurde hier die Abbildung des kompletten Kaufprozesses genannt: Angefangen bei der Bestellung über die Lieferverfolgung bis hin zur Bezahlung. In diesem Zusammenhang sollen dann auch Prozesse wie die Umsatzsteuer-ID-Prüfung vollautomatisch erfolgen. DATEVs diesbezüglicher Prototyp nennt sich „BIZZBLOXX“.
Lingl prognostizierte, dass die ersten marktreifen Produkte zur Blockchain in den nächsten Jahren kommen werden.

KI – vom Hype zum reellen Einsatz

Am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken wird seit 30 Jahren am Thema Künstliche Intelligenz (KI) geforscht. Im Gegensatz zur Blockchain ist KI bereits in mehreren Anwendungen verankert. Zu KI gehören Disziplinen wie Robotik, Deep Learning, Machine Learning, aber auch Spracherkennung.

Die Anwendungsfälle im Steuerbereich beschreibt Referent Prof. Dr. Peter Fettke anhand seines Tax Tech-Haus der digitalen Steuerfunktion:

Tax Tech-Haus
Das Tax Tech-Haus der digitalen Steuerfunktion von Prof. Dr. Peter Fettke

Ziel ist es, konkrete Aufgaben mithilfe mit KI zu automatisieren. Im Anwendungsgebiet „Text zu Sprache“ funktioniere dies bereits ganz gut. Im Steuerbereich sieht er KI zukünftig als essenzielle Unterstützung der Beratung – auch um die rasant wachsenden Datenmengen in Unternehmen weiterhin bewältigen zu können.

Fazit

Die Tax Technology Conference 2019 lieferte einen guten Einblick in das, was vor allem die innovative Steuerabteilung derzeit beschäftigt. Sucht man also nach neuen Programmen und auch visionären Wegen zur Optimierung der Steuerberatung, ist man hier gut aufgehoben. Wer nach konkreten und marktreifen Tax Tech-Angeboten für die eigene Arbeit sucht, kann sich auch in unserem Verzeichnis umschauen:

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